Verhütung & SchwangerschaftFruchtbarkeit: was bedeutet das? Und (ab) wann bin ich überhaupt fruchtbar?

Auf dieser Seite versuchen wir die wichtigsten Fragen zur „Fruchtbarkeit“ zu beantworten, so dass du nach dem Lesen ein*e echte*r Fruchtbarkeits-Expert*in bist. Wenn du vorher nochmal nachlesen willst, was ein Zyklus überhaupt ist, oder was bei der Regelblutung im Körper passiert, klick die Begriffe einfach an.

Fruchtbar zu sein, bedeutet, dass du ein Kind zeugen kannst. Ein Kind entsteht immer aus einer Eizelle und einer Samenzelle. Das heißt, du bist fruchtbar, wenn dein Körper gesunde Eizellen oder Samenzellen herstellt, reifen lässt und diese an den Ort der Befruchtung (die Eileiter) gelangen können.
Die Pubertät ist eine besondere Zeit, da hier Veränderungen im Körper geschehen, die zur Fruchtbarkeit führen. Das kann das Einsetzen des Zyklus und der Regelblutung sein: ab sofort reifen im Rhythmus einiger Wochen immer wieder einige Eizellen heran und beim Eisprung gelangt eine Eizelle in den Eileiter, wo sie bereit zur Befruchtung ist. Oder das kann der erste Samenerguss sein. Die ab jetzt im Hoden und Nebenhoden heranreifenden Samenzellen können dadurch nach außen befördert werden und so z. B. in die Vagina gelangen und durch die Gebärmutter in den Eileiter aufsteigen.

Wenn dann tatsächlich eine Eizelle mit einer Samenzelle (Spermium) verschmilzt, entsteht eine Schwangerschaft.
 Aber wusstest du, dass diese Verschmelzung nur maximal 24 Stunden nach dem Eisprung möglich ist? Denn nur so lange kann die Eizelle befruchtet werden.

Wann genau ist der Eisprung eigentlich?

Das kann man am besten beantworten, wenn man es „rückwärts“ betrachtet: Der Eisprung findet nämlich ca. 14 Tage vor der nächsten Regelblutung statt, ganz egal wie lang dein Zyklus ist.
In den meisten Büchern steht, dass der Zyklus 4 Wochen dauert, also 28 Tage. Das muss aber nicht so sein.
Auch wenn sich ca. 3 Jahre nach der Menarche bei den meisten ein regelmäßiger Rhythmus mit ungefähr 3 Tagen Abweichung einstellt, können die regelmäßigen Zyklen von Person zu Person sehr unterschiedlich lang sein. Alles zwischen 24 und 35 Tagen gilt als normal.
Und auch, wenn du schon eine Weile einen ganz regelmäßigen Zyklus hast, kannst du nie genau wissen, ob die nächste Regelblutung wieder pünktlich kommt.
Wenn du also nicht vorausberechnen kannst, wann deine nächste Regelblutung einsetzt, kannst du selbstverständlich auch den Zeitpunkt des nächsten Eisprungs nicht berechnen. Auch nicht mit einem Zykluskalender oder einer Zyklus-App! Allein mit dem Abzählen der Tage kannst du also nie sicher bestimmen, wann genau es zu einer Schwangerschaft kommen könnte, wenn man Sex hat.

Und wie lange leben Spermien im Eileiter?

Die Spermien können üblicherweise bis maximal 5 Tage in den Eileitern überleben und auf den Eisprung „warten“, sehr selten auch etwas länger. Daraus folgt: Deine „fruchtbaren Tage“ beginnen ca. 5 Tage vor dem Eisprung (wegen der Spermien) und enden spätestens einen Tag danach (wegen der Eizelle). Die fruchtbaren Tage sind damit üblicherweise 6 Tage lang.
Du kannst also schwanger werden, wenn du in dieser „fruchtbaren Zeit“ ungeschützten Sex hast. Auch wenn es nur ein einziges Mal ist! Und auch schon beim allerersten Sex!
Logisch: je häufiger ungeschützter Geschlechtsverkehr in einem Zyklus stattfindet, desto wahrscheinlicher entsteht eine Schwangerschaft.

Aufgepasst: ca. 14 Tage vor der allerersten Regelblutung kann der erste Eisprung erfolgt sein. Falls um diesen Zeitpunkt herum ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfindet, kann man auch schwanger werden, ohne jemals die Regelblutung gehabt zu haben!

Achtung! 
Es ist auch ungeschützter Geschlechtsverkehr, wenn kein Samenerguss stattfindet, oder wenn der Penis vor dem Samenerguss aus der Vagina gezogen wird ("rausziehen" / "Coitus interruptus"). Denn schon bei Erregung kann Flüssigkeit (der sogenannte Lusttropfen) aus der Harn-Samen-Röhre des Penis austreten, die Samenzellen (und Krankheitserreger) enthalten kann, und somit zu Schwangerschaft (und sexuell übertragbaren Infektionen) führen kann.

Wie erkennt man die fruchtbaren Tage?

Vielleicht hast du an bestimmten Tagen in deinem Zyklus schon einmal eine Veränderung beim Ausfluss bemerkt. Statt der weißlich / gelblichen und eher dicklich, klebrigen Vaginalflüssigkeit kommt jetzt ein klarer Schleim aus der Vagina, der sich ähnlich wie rohes Eiweiß in die Länge ziehen lässt. Das signalisiert dir: Nun kommt bald der Eisprung, jetzt bin ich fruchtbar.
Gleich nach dem Eisprung, wenn die Wirkung des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen nachlässt und dafür das Progesteron im Gelbkörper hergestellt wird, verändert sich dieser Ausfluss wieder. Du bemerkst weniger oder keinen Ausfluss mehr, weil der Schleim wieder dicklicher wird und den Gebärmutterhals „verschließt“. Damit ist der Weg für die Spermien wieder versperrt. Und gleichzeitig sind im Falle einer eingetretenen Schwangerschaft die Gebärmutter und damit auch das entstehende Kind vor aufsteigenden Krankheitserregern geschützt.
Der veränderte Schleim ist natürlich keine verlässliche Verhütungsmethode. Aber wenn du in deinem Zykluskalender zusätzlich zu deiner Regelblutung auch noch die Tage markierst, an denen du den klaren Schleim aus der Vagina bemerkst, bekommst du ein noch besseres Gefühl für den Ablauf deines Zyklus!

Übrigens: 2 Tage nach dem Eisprung steigt deine Körpertemperatur bis zur nächsten Blutung um durchschnittlich 0,5 Grad Celsius an. Wenn du sehr regelmäßig vor dem Aufstehen und vor körperlicher Betätigung deine Körpertemperatur nach derselben Methode misst und die Werte in eine Tabelle einträgst, kannst du daran erkennen, ob und wann der Eisprung stattgefunden hat.
Zur Verhütung ist auch diese Temperaturmessung nicht sicher genug, aber auch das hilft dir, deinen Körper kennen und verstehen zu lernen.

Es gibt eine Verhütungsmethode, die alle oben genannten Punkte kombiniert, sie wird „natürliche Familienplanung“ = NFP genannt. Um sie richtig anzuwenden ist es notwendig, sie von Fachleuten entweder direkt in einem Kurs oder über bestimmte Bücher genau zu lernen. Sie muss sehr konsequent angewendet werden, dann können nach einer mehrmonatigen Testphase die fruchtbaren Tage eingegrenzt werden. Die Sicherheit dieser Methode ist abhängig von der konsequenten Anwendung und wie verlässlich ihr während der „fruchtbaren“ Zeit verhütet. Mehr Informationen dazu findest du hier.

Ganz schön kompliziert? Hier gibt's ein paar Beispielrechnungen:

Am Dienstag Sex haben, am folgenden Samstag schwanger werden?

Ja – das geht so:
Man könnte also z. B. an einem Dienstag Sex haben, es ist noch keine Eizelle reif, scheinbar kann nichts passieren …
Die Spermien können aber bis Samstag überleben und auf die Eizelle warten. Die ist beispielsweise am Samstag reif und das ein oder andere Spermium, das so lange überlebt hat, reicht für eine Befruchtung.

Kann man schwanger werden, wenn man während der Regelblutung Sex hat?

Das ist zwar selten der Fall, aber bei sehr kurzen Zyklen möglich! Denn da findet der Eisprung früh statt: z. B. ein 23-Tage-Zyklus = Eisprung ca. am 9. Tag. Wenn am 4. Tag der Regelblutung Sex stattfindet, könnten die Spermien aufsteigen und am 9. Tag die Eizelle befruchten.
Es gibt also Frauen, die schwanger werden können, wenn sie während der Regelblutung Sex haben.

Aufgepasst: Hiermit ist ausschließlich die natürliche Regelblutung gemeint. Also nicht die sogenannte "Abbruchblutung", die bei der Anwendung von hormonhaltigen Verhütungsmitteln (z.B. bei der "Pille") in der Anwendungspause eintritt und fälschlicherweise oft ebenfalls als Regelblutung bezeichnet wird.

Kann man schon beim ersten Sex schwanger werden?

Ja, wenn kein Verhütungsmittel benutzt wird, kann auch beim ersten vaginalen Sex eine Schwangerschaft eintreten. Allein die Tatsache, dass es das „erste Mal“ ist, schützt nicht vor ungeplanter Schwangerschaft. Wenn du planst, bald Sex auszuprobieren, dann informiere dich am besten vorher bei eine*r Frauenärzt*in zur Verhütung und stelle zusätzlich sicher, dass ihr Kondome benutzt, um euch vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen.

Quellen

Felberbaum R et al: Die Konzeption der Frau. Gynäkologische Endokrinologie 2002; 0:18–25.

Ludwig M: Amenorrhoe und andere Zyklusstörungen - Differentialdiagnostik und Therapie. In: Gynäkologische Endokrinologie. 2. Auflage 2013; Optimist Hamburg.

Raith-Paula et al.: Physiologische Grundlagen der Natürlichen Familienplanung. In: Natürliche Familienplanung heute. 5. Auflage 2013, Springer Berlin Heidelberg; 17-29.

Raith-Paula et al.: Symptothermale Methode Sensiplan. In: Natürliche Familienplanung heute. 5. Auflage 2013, Springer Berlin Heidelberg; 32-63.

Werny F S, Schlatt S: Reproduktion. In: Schmidt R F, Lang F, Heckmann M (Hrsg.): Physiologie des Menschen. 31. Auflage 2010, Springer Heidelberg; 462-73. 

Stand 06. Juli 2023

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